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Berliner Zeitung vom 27.02.2021 mit kontroversen Artikeln zur aktuellen Politischen Lage in Polen

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- Die deutschen Medien haben ein falsches Bild von der politischen Krise in Polen
von Jan Rokita

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- Polens Krieg um die Meinungsfreiheit
von Witold Mrozek

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weitere
- Weder Masken noch Abstand: Gibt es in Warschau kein Corona?
von Witold Mrozek

 

 

Dazu auch immer wieder in unserer Zeitschrift “Polen und Wir”

 

 

Bericht

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Artikel in der POLEN und wir 4/2020 17
mit freundlicher Genehmigung des Autors

 Jährliche Gedenkveranstaltung
 
Die Erschießung der 33
Die Mordaktion der SS vom 9.11.1940 im KZ Sachsenhausen

Werner Stenzel
 

Traditionell gedachten und gedenken am 9. November ehemalige Warschauer Sachsenhausenhäftlinge und Mitglieder und Sympathisanten der Gesellschaft für gute Nachbarschaft zu Polen der 33 an jenem Tag im Jahr 1940 ermordeten Polen..Dieses Blutvergießen entsprach dem Ausrottungsprogramm der Faschisten.
Vor einem kleinen Kreis seiner Führungskräfte erklärte Hitler bereits 1936: „Polen sind mehr Tiere als Menschen, gänzlich stumpf und amorph.“ Und Himmler brachte es vor SS-Oberen auf den Punkt: „Alle Polen verschwinden aus dieser Welt!“
Als Himmler bei einem Besuch im Pawiak, dem zentralen Gestapo-Gefängnis in Warschau, den Hauptbischof der evangelischen Kirche Juliusz Bursche fragte, weshalb er hier sei, antwortete dieser: „Das erwarte ich von Ihnen zu hören“. Die Entscheidung war bereits in Berlin gefällt. Im Jahr 1940 nahm die Zahl der Massentransporte in KZs sprunghaft zu, deren erste Opfer aus Berliner Gefängnissen, Warschau, Lublin, Radom und Kielce kamen.
Ein Eisenbahnzug mit 1120 Inhaftierten wurde in perfider Weise am 3. Mai organisiert, genau an jenem Tag, an welchem 1791 die polnische Verfassung, die erste in Europa, verabschiedet wurde. Dieser Tag ist seitdem polnischer Nationalfeiertag. Jeder Dritte aus dem Transport vom Mai sollte erschossen werden, aber im November waren nur noch 33 von ihnen zu finden.
Die anderen Häftlinge waren offensichtlich bereits umgebracht oder in andere KZ transportiert worden.
In anderen mündlichen Überlieferungen heißt es, daß die 33 bereits in Warschau exekutiert werden sollten, bevor sie unter ungeklärten Umständen auf Transport nach Sachsenhausen kamen, wo sie der Arm von SD und SS erreichte.
An jenem 9. November 1940 erschoss die SS in der Zeit von 10:42 bis 11:20 Uhr die 33 polnischen Bürger im Industriehof des KZ, „auf Befehl des Chefs der Sicherheitspolizei und des SD“, wie es bürokratisch hieß. Die Schüsse des Exekutionskommandos hallten durch das Lager.
Manche der 33 ahnten bereits nach dem Morgenappell ihr Ende, andere wiederum glaubten an ihre Entlassung, hatten als gute Facharbeiter und Ingenieure, als „deutschfreundlich“ gegolten. Trotzdem mussten sie sterben, unabhängig von Alter, Beruf und Religion, ohne Anschuldigung, ohne Anklage, ohne Verhör oder gar Urteil. Es betraf den katholischen Geistlichen Henryk Figat ebenso wie den 17jährigen Schüler Ryszard Kopec, den Arzt, Chef des Sanitätsdienstes in Warschau, Jozef Przetacznik, den Ältesten der Gruppe dem 46jährigen Bankangestellten Boleslaw Mosiewicz und weitere. Es waren 33 Polen von 70 000, die in den Jahren 1939 - 1945 nach Sachsenhausen verschleppt wurden. Zu den ersten Häftlingen gehörten in Deutschland lebende Polen, die noch im März  1938  in Berlin einen Kongress des „Bundes der in Deutschland lebenden Polen“ mit 5000 Teilnehmern abhielten.
Harry Naujoks, der Lagerälteste des KZ Sachsenhausen in den Jahren 1936 – 1942, beschrieb in seinen Erinnerungen die Härte des Lebens und die Schikanen, welchen die Häftlinge stets ausgesetzt waren und im Jahre 1940 besonders qualvoll wurden. Die SS-Mannschaften fühlten sich in ihrem  Mordhandwerk  legitimiert durch die „Polenerlasse“, mit denen auch weite Teile der Bevölkerung aufgehetzt wurden.
Der Zerschlagung des Polenbundes im Sommer 1939 folgte die sogenannte „Regelung der Arbeits- und Lebensbedingungen polnischer Zivilarbeiter“, mit denen ab 1940 der in der Landwirtschaft und der Rüstungsindustrie kriegsbedingt spürbar werdende Arbeitskräftemangel kompensiert werden sollte. Presse, Rundfunk und Film taten das übrige zur Manipulation der Öffentlichkeit.
Polen mußten ein „P“ auf der Arbeitskleidung tragen, die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel, sowie der Besitz von Fahrrädern waren ihnen verboten, ebenso der Besuch von Kino- und anderen öffentlichen Veranstaltungen. Jegliche Verhältnisse polnischer Männer mit deutschen Frauen und Mädchen waren mit Todesstrafe durch Erhängen bedroht. In diese Zeit stellte Rolf Hochhuth seinen Roman „Eine Liebe in Deutschland“ über die Beziehung zwischen einer deutschen Frau und einem polnischen Zwangsarbeiter, Liebe in einer  Atmosphäre von Haß und Denunziation. Diese Erzählung über ein fiktives Geschehen außerhalb des Lagerzaunes ergänzt die realen Erinnerungen des Lager ältesten Harry Naujoks über die Solidarität zwischen deutschen und polnischen Häftlingen.
Harry Naujoks berichtet über die Vielfalt des gemeinsamen Kampfes, die Überwindung der Voreingenommenheit zwischen deutschen und polnischen Häftlingen, die Überbrückung weltanschaulicher Gegensätze zwischen Gläubigen und Kommunisten und manche geglückte List gegenüber den Peinigern.
Ergreifend berichtet Harry Naujoks über die letzte Stunde der 33 Häftlinge, im Spannungsfeld zwischen Hoffnung auf Entlassung und Erwartung des Todes. Dem Lagerältesten gelang es noch einmal mit dem Geistlichen Figat zu sprechen, auch mit einem Studenten, der als Offizier im Osten aus sowjetischer Gefangenschaft geflohen war und jetzt mit seinem Vater eingekerkert war. Ein Ingenieur aus Mielk sprach bis zuletzt über seine Heimreise.
Hinter jedem Ermordeten steht ein Einzelschicksal, keiner von ihnen darf je vergessen werden.
Dieses Andenken verbindet uns heute mit unseren polnischen Nachbarn.

  POLEN und wir
Zeitschrift für deutsch-polnische Verständigung
Gegründet 1984
Herausgeber: Deutsch-Polnische Gesellschaft
der Bundesrepublik Deutschland e.V.

  Redaktionsanschrift:
Karl Forster
KonTakT-Press
PostNr. 2005254
Neue Grottkauer Str. 38
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Tel. 030 56296087
fax  030 56296097

mail: redaktion.puw@polen-news.de

 

 

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Die Fédération Internationale des Résistants  (FIR)
hat zum 27. Januar folgende Erklärung veröffentlicht:
 

 

27. Januar 1945
vor 75 Jahren wurde das Vernichtungslager Auschwitz befreit

Der Januar 1945 ist geprägt durch die Tage der Befreiung des polnischen Territoriums durch die sowjetische Armee in Zusammenarbeit mit den Kräften der Anti-Hitler-Koalition.
Am 17. Januar wurde die polnische Hauptstadt Warschau befreit, am 19. Januar die südpolnische Stadt Krakau. Wenige Tage später, am 27. Januar 1945, gelang es der 60. Armee der I. Ukrainischen Front, deren Oberkommandierender Marschall I.S. Konew war, das Vernichtungslager Auschwitz zu befreien.

Auschwitz steht bis heute als Symbol für die unfassbare Monstrosität der faschistischen Vernichtungspolitik. In das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz wurden vom Sommer 1940 bis Januar 1945 über 1,3 Mio. Menschen aus ganz Europa, Juden, Sinti und Roma, politische Gegner und andere Ausgegrenzte verschleppt, mindestens 1,1 Mio. wurden in den Gaskammern, durch Erschießungen oder durch „Vernichtung durch Arbeit“ für den IG Farben Konzern und andere Rüstungsbetriebe ermordet.
Am Vormittag des 27. Januar 1945 erreichte die 322. Infanteriedivision der 60. Armee der 1. Ukrainischen Front unter dem Oberbefehl von Generaloberst Pawel A. Kurotschkin zuerst das Hauptlager von Monowitz. Einheiten der Waffen-SS und der Wehrmacht leisteten noch erbitterten militärischen Widerstand, so dass über 230 sowjetische Soldaten bei der Befreiung von Auschwitz ihr Leben ließen. Im Laufe des Tages stießen die Soldaten der Roten Armee nach Auschwitz und Birkenau vor.

Im Stammlager, in Birkenau und Monowitz trafen sie nur noch etwa 7.000 Häftlinge an. Noch in den ersten Tagen nach der Befreiung starben zahlreiche Häftlinge an Entkräftung. Unter den Befreiten befanden sich über 200 Kinder im Alter bis zu 15 Jahren, zumeist Zwillinge, die als Versuchsobjekte für SS-Ärzte vorgesehen waren. Auf dem Gelände selber fanden die sowjetischen Soldaten etwa 600 Tote – Lagerinsassen, die von SS-Männern noch unmittelbar vor ihrem Abzug erschossen worden waren.

Die Überlebenden von Auschwitz formulierten Anfang März 1945 in einer Botschaft: „Wir, die geretteten ehemaligen Häftlinge, verdanken unsere Rettung der tapferen Roten Armee und bitten die internationale Öffentlichkeit und ihre Regierungen hiervon Kenntnis zu nehmen und in unserem Namen hierfür Dank abzustatten.“

Seit über einem Jahrzehnt wird – auf Beschluss der Vereinten Nationen – der 27. Januar weltweit als Internationaler Gedenktag für die Opfer des Holocaust begangen. Auch die FIR und ihre Mitgliedsverbände nehmen dieses Datum vielfach zum Anlass, der Opfer der Vernichtungspolitik zu gedenken und gleichzeitig an die Befreier zu erinnern.

Es ist in unseren Augen daher ein Skandal, wenn gerade auch zum 75. Jubiläum dieser heroischen Leistung im Zweiten Weltkrieg insbesondere die polnische Regierung glaubt, die Befreiung des eigenen Territoriums von der faschistischen Barbarei durch die Kräfte der Anti-Hitler-Koalition ignorieren zu müssen. Nicht die Regierung oder die Stadtverwaltung, sondern Veteranen des Krieges und antifaschistische Verbände gedachten am 17. Januar 2020 der Befreiung von Warschau. Und bei der internationalen Gedenkfeier am 27. Januar in Auschwitz selbst ist zwar der deutsche Bundespräsident Steinmeier, aber nicht der Vertreter des russischen Staates eingeladen. 

Die FIR und ihre Mitgliedsverbände werden die Befreiungsleistungen der Kämpfer der Roten Armee als Teil der Anti-Hitler-Koalition niemals vergessen – gerade nicht am 27. Januar 2020.

POLEN und wir
Zeitschrift für deutsch-polnische Verständigung
Gegründet 1984
Herausgeber: Deutsch-Polnische Gesellschaft
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